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Pflanzenheilkunde

Gartenbohne (Phaseolus vulgaris)

Schmetterlingsblütler

Abbildung 1. Gartenbohne (Pflanze mit Stängel, Blättern und Blüten).
Abbildung 1. Gartenbohne, Pflanze mit Stängel, Blättern und Blüten.

Geschichte

Die Saubohne (Vicia faba) ist bei uns in Mitteleuropa zu Hause. Als im 16. Jahrhundert die Phaseolus vulgaris aus Peru und Nordamerika zu uns kam, wurden viele Bräuche von der heimischen „Dicken Bohne“ auf die Gartenbohne übertragen. Bohnenmehl war bis in das letzte Jahrhundert hinein ein wichtiges Nahrungsmittel und wurde auch dem Brotmehl beigemischt. Diese Bedeutung zeichnet sich auch noch ab in den wichtigsten Aussaatregeln – Bohnen durften nur am Gründonnerstag oder am Karfreitag gesetzt werden, in anderen Gegenden erst ab dem 10. Mai, wenn es garantiert keine Nachtfröste mehr gab. Und dann durften sie nur mit ganz wenig Erde bedeckt werden, damit sie das Läuten der Kirchenglocken noch hören konnten.

Botanischer Steckbrief

Es gibt mindestens 500 verschieden Zuchtformen der Gartenbohne. Für arzneiliche Zwecke werden meistens die Buschbohne und die Stangenbohnen angebaut. Auch die Heimat der Stangenbohnen ist Südamerika. Im 16. Jahrhundert wanderte sie nach Mitteleuropa ein und ist heute auf der ganzen Welt verbreitet. Die am meisten verwendeten Sorten wachsen als Buschbohnen (30–40 cm hohe aufrechte Stängel) oder Stangebohnen (30–400 cm hohe sich windende Stängel). Bohnen sind einjährig. Beide Sorten haben 3-zählige Blätter mit langen Stielen, die wie auch die Stängel leicht stupfelig behaart sind. Die einzelnen Teilblätter sind verkehrt eiförmig, zugespitzt und ganzrandig. Die Bohnenpflanze hat die Fähigkeit, ihre Blätter je nach Sonneneinstrahlung auszurichten. Ist der Sonnenschein angenehm, stellt sie das Blatt in die horizontale Ebene. Wenn die Sonne zu stark scheint oder auch nachts, bringt sie das Blatt beinahe vertikal in Schlafstellung. Ein Gelenk an der Basis des Stängels macht das möglich, es kann anschwellen oder schrumpfen – ganz nach Bedarf. Bei Regengüssen können sich sogar die Blattränder etwas einrollen.

Die Blüten erscheinen von Mai bis September und werden bis zu 1,5 cm groß, blühen weißlich, rot oder violett in lockeren Trauben. Die 10–20 cm langen und 1–2 cm breiten Früchte hängen als gerade oder leicht gebogene Hülsen nach unten. Sie enthalten 2–8 verschiedenfarbige, fast immer nierenartig geformte Samen.

Arzneilich werden nur die Hülsen der reifen Bohnen verwendet, die von alleine aufgesprungen sind (Phaseoli fructus sine semine oder Phaseoli pericarpium).

Signatur

Der Name Phaseolus bezieht sich auf ein kleines, schnelles Boot, phaselus, wie es die Ägypter auf dem Nil benutzten. Die hängenden, leicht gebogenen Bohnenhülsen müssen die Römer an diese Boote erinnert haben. Nanus ist ein kleiner Zwerg und das könnte sich auf die geringe Höhe der Buschbohnen beziehen. Vulgaris steht dafür, dass die Pflanze allgemein bekannt ist. Im Mittelalter galten Bohnen als Aphrodisiakum für den Mann. Die Männer verzehrten sie als Mittel gegen Erektions- und Fruchtbarkeitsstörungen. Der Arztbotaniker Tabernaemontanus aus Bergzabern meinte 1588 in seinem Neuw kreuterbuch, sie würden „die unkeusche Lust“ erregen. Die nierenartige Form der einzelnen Bohnen lenkt die Aufmerksamkeit sofort auf die Anregung der Nierentätigkeit.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Die rohen Bohnen und ihre Schalen sind giftig. Der giftige Eiweißstoff Phasin führt zu Erbrechen, Durchfall und Blutungen besonders im Dünndarm. Bei empfindlichen Personen kann auch blutiges Erbrechen, Blutdruckabfall bis zum Kollaps eintreten. Bohnen sollten mindestens 15 Min. gekocht werden, damit die Eiweiße zerstört werden. Dann aber sind die Bohnen weltweit ein bedeutendes, eiweißhaltiges Nahrungsmittel.

Die getrockneten Bohnenschalen enthalten folgende wirksamkeitsbestimmenden Inhaltstoffe:

  • Arginin und andere Aminosäuren
  • Kieselsäure
  • Flavonoide
  • Phytoalexine (Phaseolin)
  • Chromsalze, diese regen die Bauchspeicheldrüse an

 Getrocknete Bohnenschalen haben folgende Wirkungen:

  • Nieren und Harnwege:
    • aquaretisch bzw. mild diuretisch
    • regt Nierentätigkeit an
    • neutralisiert Harnsäure
  • leicht blutzuckersenkend

Anwendungsgebiete/Indikationen

Zubereitungen aus Bohnenschalen kommen als bei folgenden Indikationen zur Anwendung:

  • Diuretikum bei Nieren- und Herzkrankheit
  • Harngrieß
  • Rheuma
  • juckende Ekzeme

Indikationen nach Kommission E und HMPC

Von der Kommission E gab es eine Positivmonografie für die Bohnenschalen zur adjuvanten Anwendung bei dysurischen Beschwerden und zur Unterstützung der Ausscheidungsfunktion der Nieren.

Das HMPC hat Bohnenschalen als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft und empfiehlt es zur Erhöhung der Harnmenge und zur Durchspülung der Harnwege als Unterstützung bei leichten Harnwegsbeschwerden.

Anwendung in anderen Therapiebereichen

Die getrockneten Bohnenschalen sind seit alten Zeiten ein Bestandteil von Diabetikertees, weil sie den Blutzuckerspiegel leicht senken. Dafür liegen keine wissenschaftlichen Beweise vor.

Prävention

Vorbeugend gegen Harnsteine.

Dosis/Dosierung

Tagesdosis 5–15 g

Darreichungsformen und Zubereitungen

Behandlungsempfehlung

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Teezubereitung

1 TL Bohnenschalen in 250 ml kaltem Wasser ansetzen, 10 Stunden ziehen lassen (über Nacht) und dann 15 Min. etwa auf die Hälfte einköcheln. 2-mal täglich 1 Tasse.

Behandlungsempfehlung

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Bewährte Fertigarzneimittel

Kombinationspräparat: Biofax classic (+ Hauhechelwurzel, Birkenblätter).              

Nebenwirkungen, Interaktionen, Kontraindikationen

Es sind keine bekannt.