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Taping für Heilpraktiker - Mögliche Auswirkungen von Narben

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Taping für Heilpraktiker

Mögliche Auswirkungen von Narben

In dem Kapitel zum chronischen Schmerz wurde bereits der Zusammenhang zwischen möglichen internistischen und orthopädischen Erkrankungen sowie segmentalen Dysregulationen in Bezug auf die segmentale Innervation und die Leitbahnen erläutert (Tab. 10.3). Narben nehmen über die Haut ebenfalls Einfluss auf die Leitbahnen und Organe, wie folgende Darstellung verdeutlicht.

Auswirkungen auf die Leitbahnen und Zang-Fu-Organe

In Bezug auf einzelne Leitbahnen können Narben den Energiefluss stören und Schmerzen bzw. Missempfindungen im gesamten Leitbahnverlauf hervorrufen. Beispielsweise können sich in Bezug auf die Blasenleitbahn mit ihren Rücken-Shu-Punkten und zur Zang- bzw. Fu-Ebene Störungen im Organ Blase bzw. im Funktionskreis Blase und Niere ergeben.

Im Folgenden sind einige Beispiele für Narben im Bereich der Leitbahnverläufe und der Sonderleitbahnen Ren Mai und Du Mai sowie deren mögliche Auswirkungen aufgeführt:

Lungenleitbahn:

  • mögliche Narben:
    • Narbe nach einer Operation der Sehnenscheiden
    • Narbe nach einer ventralen Schulteroperation
  • mögliche Auswirkungen:
    • vermehrte Infektanfälligkeit
    • Dyspnoe

Dickdarmleitbahn:

  • mögliche Narben:
    • Narbe nach der Operation am Zeigefingergrundgelenk
    • Narbe nach der Operation einer Epicondylitis humeri radialis
  • mögliche Auswirkungen:
    • vermehrtes Nasenbluten
    • schuppige und juckende Haut
    • Verdauungsstörungen

Magenleitbahn:

  • mögliche Narben:
    • laterale Knienarbe
    • Narben nach Brustoperationen bzw. -vergrößerungen
  • mögliche Auswirkungen:
    • Sodbrennen
    • Magenschmerzen
    • Brustschmerzen

Milzleitbahn:

  • mögliche Narben:
    • mediale Knienarbe
    • Narbe nach Operation eines Hallux valgus
  • mögliche Auswirkungen:
    • Verdauungsstörungen mit Blähungen, Obstipation und Diarrhö
    • Ödeme der unteren Extremitäten
    • Schweregefühl
    • Enuresis und Miktionsdysfunktion

Herzleitbahn:

  • mögliche Narben:
    • Narbe nach Entfernung der Lymphknoten (v. a. Mammakarzinom)
    • Narbe nach der Operation einer Epicondylitis humeri medialis
  • mögliche Auswirkungen:
    • funktionelle Herzbeschwerden
    • Traurigkeit
    • Ängste
    • Palpitationen

Dünndarmleitbahn:

  • mögliche Narben:
    • Narbe nach einer ulnaren Handgelenkoperation
    • Narbe nach einer dorsalen Schulteroperation
  • mögliche Auswirkungen:
    • Augenschmerzen und gerötete Augen
    • Kieferschmerzen
    • Tinnitus
    • Thoraxbeschwerden

Blasenleitbahn:

  • mögliche Narben:
    • Narbe durch Entfernung der Baker-Zyste
    • Narbe nach Operation eines Bandscheibenvorfalls (z. B. 4./5. LWK)
  • mögliche Auswirkungen:
    • chronische Zystitiden
    • Hämorrhoiden
    • Enuresis
    • Dysmenorrhö

Nierenleitbahn:

  • mögliche Narben:
    • Narbe nach einer Achillessehnenoperation
    • Kaiserschnittnarbe
  • mögliche Auswirkungen:
    • Ödeme an den Extremitäten
    • Spontanschweiße
    • Impotenz
    • Leukorrhö
    • Uterussenkung

Perikardleitbahn:

  • mögliche Narben:
    • Narbe nach einer Karpaltunneloperation
    • Narbe nach einer operativ versorgten Dupuytren-Kontraktur
  • mögliche Auswirkungen:
    • funktionelle Herzbeschwerden
    • Unruhe
    • Ängste
    • Schlaflosigkeit

3-Erwärmerleitbahn:

  • mögliche Narben:
    • Narbe nach einer Operation des Ellenbogengelenks
    • Narbe nach einer operativ versorgten distalen Radiusfraktur (dorsal)
  • mögliche Auswirkungen:
    • vermehrt Kopfschmerzen
    • Rötung und Schwellung der Augen
    • Ohrenschmerzen
    • Tinnitus

Gallenblasenleitbahn:

  • mögliche Narben:
    • Narbe nach einer Hüftoperation
    • Narbe nach einer Knöcheloperation lateral
  • mögliche Auswirkungen:
    • Ischialgie
    • Leukorrhö
    • vermehrt Kopfschmerzen
    • Rötung und Schwellung der Augen

Leberleitbahn:

  • mögliche Narben:
    • Narbe nach einer medialen Knöcheloperation
    • Narbe nach einer medialen Knieoperation
  • mögliche Auswirkungen:
    • Miktionsdysfunktion
    • Juckreiz und Schwellung der Genitalien
    • Uterussenkung
    • Amenorrhö

Ren Mai:

  • mögliche Narben:
    • Kaiserschnittnarbe
    • Narbe nach einer Herzoperation (Sternum)
  • mögliche Auswirkungen:
    • Miktionsdysfunktion
    • Menorrhagie
    • Leukorrhö
    • Brustschmerzen
    • Sodbrennen

Du Mai:

  • mögliche Narben:
    • Narbe nach Operation eines Bandscheibenvorfalls (z. B. 4./5. LWK)
    • Narbe nach einer HWS-Operation
  • mögliche Auswirkungen:
    • Leukorrhö
    • Impotenz
    • veränderter Zungentonus
    • Gefühl von Schwere in Bezug auf den Kopf

Auswirkungen auf die Segmente

In Bezug auf die Segmente der Wirbelsäule können Narben ebenfalls einen direkten Einfluss auf innere Organe haben, wie folgende Beispiele auf Grundlage der Zonen nach Hansen und Schliack zeigen. Die hauptsächlichen Narben im Segmentbereich sind auf Operationen an der Wirbelsäule zurückzuführen:

  • Narben nach HWS-Operation:
    • Lungenbeschwerden, z. B. erschwertes Atmen
    • Herzbeschwerden, z. B. Palpitationen
    • Sodbrennen
    • Verdauungsstörungen
  • Narben nach BWS-Operation:
    • Verdauungsbeschwerden
    • Müdigkeit durch Leberschwäche
    • Blähungen
  • Narben nach LWS-Operation:
    • Inkontinenz
    • Infertilität
    • verringerte Libido

Auswirkungen auf Head-Zonen

Befinden sich Narben auf Head-Zonen, kann es ebenfalls zu Störungen innerer Organe kommen, wie folgende Beispiele zeigen:

  • ventrale Schulternarbe (Head-Zone des Zwerchfells):
    • Atembeschwerden
    • verringerte Diaphragmaabsenkung
  • Narbe nach Herzoperation (Sternum, Head-Zone des Ösophagus):
    • Sodbrennen
    • Essen fühlt sich wie ein „Kloß“ beim Hinunterschlucken an.
  • Narbe nach Bauchdeckenstraffung (Head-Zone des Dickdarms):
    • Verdauungsstörungen, v. a. den Dickdarm betreffend
    • Obstipation

Ganzheitliche Betrachtung

Führen Narben zu Dysbalancen und entwickeln sich zu einem Störfeld, können sie innere Organe beeinflussen. Dies hat wiederum zur Folge, dass Dysbalancen innerer Organe zu sichtbaren orthopädischen Erkrankungen führen können. Häufig stehen diese für Untersucher in keinem Zusammenhang. Bei genauerer Betrachtung wird allerdings deutlich, dass eine Narbe zu unterschiedlichen Erkrankungen geführt haben kann.

In Abb. 13.1 wird schematisch dargestellt, wie die Wechselwirkungen zwischen Narben und Organen entstehen.

 

Abb. 13.1 Wechselwirkung zwischen Narben und Organen.
Abb. 13.1 Wechselwirkung zwischen Narben und Organen.

 

 

Anhand der folgenden beiden Fallbeispiele werden die möglichen Auswirkungen von Operationsnarben aufgezeigt. Diese verdeutlichen, dass es für die Diagnostik und Behandlung entscheidend ist, die komplexen Wirkungsgefüge ganzheitlich einzubeziehen.

Fallbeispiel

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Kaiserschnittnarbe

Eine Patientin kommt mit einer Kaiserschnittnarbe in die Praxis. Diese ist etwa 8 Wochen alt und zeigt sich seit Längerem gerötet und juckend. Das Tragen von Hosen und Unterwäsche kann die Patientin nur schwer tolerieren. Bei Fragen nach der Kontinenz antwortet die Patientin, dass sie häufiger auf Toilette müsse und manchmal schwer den Urin halten könne. Auch die Verdauung sei träge geworden. Zudem schildert die Patientin, dass sie seit etwa 2 Wochen anhaltende LWS-Beschwerden habe.

An diesem Beispiel wird deutlich, dass die Narbe aufgrund des Kaiserschnitts zunächst zu Blasenproblemen geführt hat. Dies lässt sich dadurch erklären, dass die Narbe die Nierenleitbahn durchtrennt. Aufgrund der Yin- und Yang-Kopplung stehen die Nieren und die Blase miteinander in Verbindung. Zudem besteht ein direkter Zusammenhang zum Rücken-Shu-Punkt der Niere (Bl23). Dieser befindet sich anatomisch gesehen auf Höhe von L2.

Die segmentale Innervation der Niere erfolgt über die Segmente Th9–L3. In Bezug auf den Verlauf der Narben lässt sich ein Zusammenhang zwischen der Niere und der Blase und den zugehörigen Head-Zonen ableiten. Anhand der betroffenen Segmente L2 (Bl23) und Th9–L3 (Hansen und Schliack) lassen sich die Rückenschmerzen im LWS-Bereich erklären.

Die Verdauung hängt eng mit der Leber zusammen. Ist diese wenig aktiv, wird weniger Gallensaft produziert und an die Gallenblase abgegeben. Auch die Leberleitbahn wurde durch die Narbe in Mitleidenschaft gezogen. Zudem entspricht L4 dem Rücken-Shu-Punkt Bl25. Dieser ist für den Dickdarm verantwortlich und wird als Zustimmungspunkt des Dickdarms bezeichnet. Hieraus resultiert wiederum die träge Verdauung der Patientin.

 

Fallbeispiel

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Magenoperation

Einer 37-jährigen Patientin wurde der Magen aufgrund starken Übergewichts verkleinert. Bei einer Verkleinerung entstehen Narben am Magen. Diese sind nicht sichtbar, können jedoch ebenfalls Beschwerden verursachen.

Der Magen ist nach Hansen und Schliack den Segmenten C3–C5 und Th5–Th9 zugeordnet. Aus chinesischer Sicht entspricht die anatomische Lage des Magens dem Ren Mai, der Magen- und der Nierenleitbahn, aus Sicht des Meridian-Tapings der Magenleitbahn. Die Head-Zone des Magens befindet sich in dem Segment Th8 und zieht links von der Mittellinie des Körpers nach lateral.

Nach der Operation des Magens entwickelt die Patientin mittelstarke bis starke HWS-Schmerzen. Diese zeigen sich unabhängig von Bewegung oder Ruhe. Aufgrund des gleichbleibenden Zustands verschreibt ihr der Arzt Physiotherapie (Massagen) und Schmerzmittel, die bei Bedarf eingenommen werden sollen. Nach den Massagen und der bedarfsgerechten Einnahme der Medikamente schildert die Patientin unveränderte Schmerzen. Infolgedessen wird ein Röntgenbild angefertigt. Hier wird ersichtlich, dass die Patientin Abnutzungserscheinungen im HWS-Bereich hat.

An diesem Beispiel wird deutlich, dass die Ursache in den Segmenten C3–C5 zu suchen ist. Die Narbe des Magen hat sich reflektorisch auf die HWS übertragen. Massagen wirken aktivierend und erzeugen eine Fülle im Magen. Da es sich aus Sicht der chinesischen Medizin um eine Fülle-Narbe handelt, werden hierdurch die Schmerzen verstärkt bzw. konstant gehalten. In diesem Fall sind sedierende Techniken eine sinnvolle Methode.

Die Medikamente wiederum erzeugen eine Reizung des Magens. Diese überträgt sich in ähnlicher Weise auf die Segmente und verstärkt wiederum die Schmerzen bzw. hält diese konstant.

Aufgrund des Alters ist davon auszugehen, dass „Abnutzungserscheinungen“ im Bereich der HWS mit der entsprechenden Bilddiagnostik ersichtlich sein dürften. Diese müssen jedoch nicht in Verbindung mit den aktuellen Beschwerden der Patientin stehen.