ZU DEN KURSEN!

Taping für Heilpraktiker - Grundlegendes zur Anwendung von Narbentapes

Kursangebot | Taping für Heilpraktiker | Grundlegendes zur Anwendung von Narbentapes

Taping für Heilpraktiker

Grundlegendes zur Anwendung von Narbentapes

Bei der Anwendung von Narbentapes ist vorab eine genaue Inspektion, Palpation und Funktionsprüfung vorzunehmen. Hieran schließt sich die Wahl des individuell zu klebenden Tapes an, die zudem vom Wundheilungsstadium abhängig ist.

Um unterschiedliche Tapes miteinander kombinieren zu können, wird die Tapeapplikation aus energetischer Sicht sowie aus Sicht der westlichen Diagnostik beschrieben. In einem eigenen Kapitel finden sich Tipps und Hinweise zur Anwendung unterschiedlicher Druckapplikationen bei Narben.

Zu den Behandlungszielen bei der Anwendung von Narbentapes zählen:

  • Verbesserung der Durchblutung und des Lymphabflusses
  • Verminderung von Schmerzen
  • Verbesserung der Narbenelastizität
  • Lösen von Crosslinks
  • Reduktion von keloidem und hypertrophem Wachstum

Indikationen:

  • normale, keloide, hypertrophe und atrophe Narben
  • Narben bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
  • kleine, mittlere und große Narben
  • direkte Applikation bei vollständig verschlossenen Narben
  • indirekte (parallele) Applikation bei geröteten und hypersensiblen Narben
  • Narben am gesamten Körper, auch im Kopf- und Gesichtsbereich

 

Behandlungsempfehlung

Hier klicken zum Ausklappen

Werden Tapes im Kopf- und Gesichtsbereich appliziert, verbleiben diese aus ästhetischen Gründen häufig nur über Nacht auf der Haut. Kinder empfinden „bunte Pflaster“ zumeist als etwas positiv Auffälliges. Hier können die Tapes je nach Wunsch des Kindes auch tagsüber auf der Haut bleiben.

Kontraindikationen. Wie bei allen anderen beschriebenen Tapes gelten auch bei der Anwendung von Narbentapes die bereits beschriebenen relativen und absoluten Kontraindikationen.

Anamnese und Untersuchung

Bevor Narbentapes appliziert werden, erfolgen die Anamnese und die Untersuchung unter folgenden Fragestellungen:

Anamnese:

  • Sind Wundheilungsstörungen bekannt?
  • Welche Nahttechnik wurde genutzt? Gibt es selbstauflösende Fäden?
  • Nimmt der Patient Medikamente? Wenn ja, welche?
  • Sind beim Patienten Pflasterallergien bekannt?

 

Hinweis

Hier klicken zum Ausklappen

Verschiedene Medikamente können zu einem Mangel an Mineralstoffen und Vitaminen führen. Dies wiederum kann die Wundheilung ungünstig beeinflussen. Zudem können Medikamente aufgrund des veränderten Stoffwechsels der Leber zu trockener und rissiger Haut führen. Aus chinesischer Sicht kann dies über den hierdurch entstandenen Yin- und Blut-Mangel der Leber erklärt werden.

Inspektion:

  • Wie ist die Narbenbeschaffenheit?
  • Sind die Fäden entfernt worden?
  • Ist die Narbe vollständig verheilt? Oder gibt es Rötungen, Schwellungen oder entzündliche Prozesse?
  • Handelt es sich um eine normale, keloide, hypertrophe oder atrophe Narbe?

Palpation:

  • Ist die Narbe weich und elastisch oder hart und unbeweglich?
  • Schmerzt die Narbe?
  • Ist die Narbe hypersensibel oder druckdolent?

Funktionsprüfung:

  • Schränkt die Narbe die Beweglichkeit eines Gelenks ein?
  • Schränkt die Narbe die allgemeine Beweglichkeit des Patienten ein?

Einsatz von Tapes während der Wundheilung

Im Folgenden werden der Einsatz von Tapes in den verschiedenen Wundheilungsphasen sowie Faktoren, die die Wundheilung beeinflussen, erläutert.

Die Wundheilung lässt sich grob in 4 Phasen unterteilen. Das Durchlaufen der einzelnen Phasen ist stark vom Allgemeinzustand des Patienten, von chronischen Vorerkrankungen und dem persönlichen Umfeld abhängig. Von der jeweils vorliegenden Phase ist wiederum auch die Applikation der Narbentapes abhängig. Zusätzlich werden weitere geeignete therapeutische Maßnahmen zur Behandlung der Narben vorgestellt.

Exsudations-/Reinigungsphase (ca. 0.–5. Tag). Diese Phase folgt direkt nach einem Trauma bzw. einer Operation und zeichnet sich durch eine Gefäßkonstriktion und durch den Beginn des Gerinnungsprozesses aus. Durch eine gesteigerte Durchlässigkeit der Kapillarwände gelangt Exsudat, das Makrophagen und Granulozyten enthält, in die Wunde. Dieser Prozess ist wichtig, um Fremdkörper, Bakterien und Zelltrümmer aus dem geschädigten Gewebe auszuschwemmen. Im Folgenden kommt es zu einer Entzündungsreaktion des Körpers, bei der sich die bekannten Entzündungszeichen zeigen (s. akuter Schmerz).

Behandlungsempfehlung

Hier klicken zum Ausklappen

In dieser Phase ist die Anwendung von Eispackungen indiziert, um eine Gefäßkonstriktion zu forcieren. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Eisapplikation maximal 20–30 min nach dem Trauma zur Anwendung kommen sollte. Eine längere Kühlung führt zu einer verstärkten Bildung von Ödemen und einer Verlangsamung der Wundheilung. Nach der Eisanwendung sollten kühlende Umschläge, z. B. mit verdünnter Arnikatinktur bei Schmerzen oder Kamille und Schafgarbe bei Rötungen und entzündlichen Prozessen, angelegt werden.

In der Exsudationsphase sind Tapes grundsätzlich kontraindiziert. Ausnahmen stellen hier die sog. Lymph- oder Schmerztapes (Schmerzkreuz, Gittertapes) dar. Diese können weiträumig um den Wundbereich appliziert werden, um die Wundheilung zu unterstützen und Schmerzen zu reduzieren.

Proliferations-/Granulationsphase (ca. 5.–21. Tag). In dieser Phase kommt es zur Defektheilung und zum Rückgang der Entzündungsreaktion. Es wird Granulationsgewebe gebildet, das jedoch noch nicht belastbar ist. Fibro- und Myofibroblasten stabilisieren das Gewebe und bilden eine netzartige Matrix (Crosslinks). Im Zuge dessen kommt es zu einer Kontraktion der Wundränder.

Behandlungsempfehlung

Hier klicken zum Ausklappen

Eisanwendungen sind in dieser Phase kontraindiziert, da sie zu einer Vasokonstriktion der Gefäße führen. Diese wiederum erschwert die Wundheilung, die Durchblutung der Wunde und den Abtransport von Lymphflüssigkeit und begünstigt somit Ödeme und Wundheilungsstörungen.

Auch in dieser Phase (bis die Fäden entfernt wurden, sich der Schorf gelöst hat und die Wunde vollständig verheilt ist) werden Applikationen nur in Form von Lymph- oder Schmerztapes weiträumig um das Wundgebiet geklebt.

Sobald die Wunde vollständig verheilt ist, ist die Anlage von Tapes über der Narbe möglich.

Regenerations-/Epithelisationsphase (ca. 21.–60. Tag). Das Granulationsgewebe verliert mehr und mehr Wasser, die Fasern vom Kollagen Typ III wandeln sich in die vom Kollagen Typ I um. Diese Umwandlung führt zu einer erhöhten Stabilität der Gewebestruktur. Die Wundränder ziehen sich weiter zusammen.

Behandlungsempfehlung

Hier klicken zum Ausklappen

Bei reizlosen und vollständig verheilten Narben sind hier elastische Tapes sowie Gittertapes indiziert. Ist die Narbe hypersensibel und gerötet, werden die Tapes parallel zur Narbe appliziert.

Remodellierungs-/Reifungsphase (ab dem 60. Tag). Das Narbengewebe nimmt mehr und mehr an Festigkeit zu und erhält seine endgültige Struktur, Form und Festigkeit. In dieser Phase laufen die Prozesse der Kollagensynthese und des Kollagenabbaus parallel ab. Auch nach Monaten und Jahren hat das Narbengewebe nicht seine vollständige Festigkeit erreicht. Es ist davon auszugehen, dass nur etwa 80% der ursprünglichen Belastbarkeit und Festigkeit erreicht werden. Somit bleibt Narbengewebe im Vergleich zu gesundem Gewebe weniger belastbar.

Behandlungsempfehlung

Hier klicken zum Ausklappen

In dieser Phase sind elastische Tapes und Gittertapes indiziert. Hierbei ist jedoch weiterhin auf die Beschaffenheit der Narbe zu achten. Bei Rötungen und Überempfindlichkeit erfolgt die Tapeapplikation parallel zur Narbe.

Die Wundheilung wird außerdem durch verschiedene persönliche, multifaktorielle und lokale Faktoren beeinflusst:

  • persönliche Faktoren:
    • Alter des Patienten
    • persönliche Hygiene
    • Selbstständigkeit bei alltäglichen Aktivitäten
    • Immunsystem des Patienten
    • durchlebte Erkrankungen
    • Vorerkrankungen wie Durchblutungsstörungen
    • chronische Begleiterkrankungen, z. B. Diabetes mellitus
    • Ernährungsgewohnheiten
    • Suchtverhalten
    • individuelle Wundheilung des Patienten
    • Medikamentenstatus
  • multifaktorielle und lokale Faktoren:
    • keimfreie Wundverhältnisse
    • Wundverband und Wundpflege
    • angemessene Temperatur um das Wundgebiet
    • Operationstechnik
    • spannungsfreie Naht
    • angemessene Ruhigstellung und Lagerung