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Taping für Heilpraktiker - Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule

Kursangebot | Taping für Heilpraktiker | Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule

Taping für Heilpraktiker

Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule

Definition. Schmerzen im Bereich der BWS mit Ausstrahlung in den Rippenbereich werden auch als BWS-Syndrom bezeichnet. Hierbei werden das akute und das chronische BWS-Syndrom unterschieden. Das akute BWS-Syndrom tritt zumeist nach Überlastung, einem Trauma, nach Unfällen oder Blockierungen der Wirbelgelenke auf. Chronische BWS-Syndrome zählen zu den degenerativen Erkrankungen und entstehen im Laufe des Lebens durch länger andauernde Überlastungen und Fehlhaltungen oder auch durch vorangegangene Traumata der BWS. Bandscheibenvorfälle in diesem Bereich machen einen sehr geringen Anteil der akuten und chronischen Syndrome aus und sind äußerst selten. Der Patient schildert beim Vorliegen eines BWS-Syndroms häufig Atembeschwerden, die sich unter körperlicher Belastung verschlimmern. Die Schmerzen sind zumeist direkt an der Wirbelsäule oder an den Rippen lokalisiert.

Ursachen aus Sicht der Schulmedizin:

  • Überlastung
  • Fehlhaltungen, z. B. am Arbeitsplatz
  • Bandscheibenvorfälle
  • Traumata und Frakturen der BWS
  • Skoliose
  • entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis
  • Bewegungseinschränkungen:
  • Flexion und Extension
  • Lateralflexion
  • Rotation

direkt betroffene Muskeln:

  • M. iliocostalis thoracis (Extension, Lateralflexion)
  • M. longissimus thoracis (Extension, Lateralflexion)
  • Mm. levatores costarum (Extension, Lateralflexion, Rotation)
  • M. spinalis thoracis (Extension und Lateralflexion)
  • Mm. rotatores breves und longi (Extension und Rotation)
  • M. multifidus (Extension, Lateralflexion, Rotation)
  • M. semispinalis thoracis (Extension, Lateralflexion, Rotation)

indirekt betroffene Muskeln:

  • Mm. obliquus internus und externus abdominis (Ventralflexion, Lateralflexion, Rotation)
  • M. transversus abdominis (Rotation zur ipsilateralen Seite)
  • M. rectus abdominis (Ventralflexion)

Ursachen aus Sicht der TCM:

  • Leber-Qi-Stagnation
  • Leber-Blut-Mangel
  • Nieren-Yang-Mangel
  • Nieren-Yin-Mangel
  • Blockade in der Blasenleitbahn
  • Blockade im Du Mai
  • Milz-Qi-Mangel
  • Nässe und Schleim
  • Blut-Stase
  • Leere-Schmerz (dumpf, langsamer Verlauf, Leeregefühl)
  • Fülle-Schmerz (stechend, fixiert, wandernd, plötzlicher Verlauf)

Korrespondierende Akupunkturpunkte:

  • direkt betroffene Muskeln:
  • M. iliocostalis thoracis: Bl41–Bl50
  • M. longissimus thoracis: Bl12–Bl26, Bl41–Bl52
  • Mm. levatores costarum: Bl42–Bl49
  • M. spinalis thoracis: Bl12–Bl24
  • Mm. rotatores breves und longi: Bl11–Bl21, Du Mai
  • M. multifidus: Bl11–Bl29, Du Mai
  • M. semispinalis thoracis: Bl11–Bl21, Du Mai

indirekt betroffene Muskeln:

  • Mm. obliquus internus und externus abdominis: Ma18–Ma30, Ni11–Ni22, Le13, Le14, Gb22–Gb28, Mi13–Mi17, Ren Mai
  • M. transversus abdominis: Ma19–Ma30, Ni11–Ni21, Le13, Gb25–Gb28, Mi13–Mi15, Ren Mai
  • M. rectus abdominis: Ma18–Ma30, Ni11–Ni22, Ren Mai

Behandlung anhand der Bewegungseinschränkungen:

  • Bewegungseinschränkungen der BWS bei der Extension (dorsal):
  • Blasenleitbahn, Du Mai
  • Behandlung mit Nah- und Fernpunkten
  • Ashi-Punkte
  • Bl10, Bl11, Bl60, Bl58, Bl62, Du Mai öffnen

Bewegungseinschränkungen der BWS bei der Flexion (ventral):

  • Magenleitbahn, Ren Mai
  • Behandlung mit Nah- und Fernpunkten
  • Ashi-Punkte
  • Ma40, Ma34, Ma36, Ren Mai öffnen

Bewegungseinschränkungen beim Drehen (Rotation) und Neigen (Lateralflexion) der BWS (lateral):

  • Gallenblasenleitbahn, Dai Mai
  • Behandlung mit Nah- und Fernpunkten
  • Ashi-Punkte
  • Gb20, Gb21, Gb34, Gb39, Dai Mai öffnen

Segment-, Dermatom- und Leitbahnzuordnung:

  • Segmentzuordnung:
  • C1–L5 (M. longissimus thoracis)
  • C8–L1 (M. iliocostalis thoracis)
  • Th5–Th12 (Mm. obliquus internus und externus abdominis, M. transversus abdominis, M. rectus abdominis)
  • Rr. dorsales der Spinalnerven (M. spinalis thoracis, Mm. rotatores breves und longi, M. multifidus, M. semispinalis thoracis)
  • Rr. dorsales und ventrales der Spinalnerven (M. levatores costarum)

Zonen und Segmente: Lunge, Herz, Kehlkopf, Ösophagus, Magen, Bauchspeicheldrüse, Duodenum, Jejunum, Ileum, Leber, Gallenblase, Dickdarm (aufsteigender, querverlaufender, absteigender Teil), Rektum, Niere und Harnleiter, Harnblase, Hoden, Nebenhoden, Prostata, Ovarien, UterusHead-Zone (Dermatom): Herz, Speiseröhre, Zwerchfell, Magen, Leber, Gallenblase, Dünndarm, Dickdarm, Harnblase, Niere, HodenLeitbahnen:

  • direkt betroffene Leitbahnen: Blase, Du Mai
  • indirekt betroffene Leitbahnen: Magen, Milz, Niere, Leber, Gallenblase, Dai Mai, Ren Mai

Rücken-Shu-Punkte: Bl11–Bl29, Bl41–Bl52

Behandlungsziele:

  • Schmerzreduktion
  • Verbesserung der Beweglichkeit

 

Tabelle 10.12  Steckbrief zu Schmerzen im Bereich der BWS

 

Weitere unterstützende naturheilkundliche Verfahren:

  • Schüßler-Salze:
  • chronische Schmerzen der Sehnen und Muskeln (Nr. 1, Nr. 2, Nr. 3, Nr. 7, Nr. 13)
  • akute Gelenkentzündung (Nr. 3, Nr. 11, Nr. 17)
  • Gelenkschmerzen (Nr. 2, Nr. 3, Nr. 22)
  • Gefühl von Steifheit (Nr. 21)
  • Muskelschmerzen (Nr. 1, Nr. 2, Nr. 5, Nr. 7, Nr. 13, Nr. 20)
  • Myogelose (Nr. 1, Nr. 7, Nr. 15)
  • Osteochondrose (Nr. 1, Nr. 7, Nr. 11)
  • Wirbelsäulenschmerzen (Nr. 3, Nr. 7, Nr. 11)
  • als Salbe: Nr. 3 bei akuten Schmerzen

westliche Kräuter/Phytotherapie: Beinwell, Gänsefingerkraut, Engelwurz, Melisse, Rosmarin, Taubnessel, Brennnessel, Löwenzahn, Vogelmiere, Frauenmantel, Schafgarbe, Königskerze, Süßholz, Ziest, Lavendel, Mädesüß, Teufelskralle, Weidenrinde

Schröpfen, blutiges Schröpfen bei Fülle-Zuständen; Pflaumenblütenhämmerchen, Baunscheidtieren bei Fülle-Zuständen; Neuraltherapie; manuelle Therapie

Taping

Muskeltechnik (detonisierend)

Beschrieben wird die Anlage eines Tapes im Verlauf des M. erector spinae (medialer und lateraler Trakt) zur Behandlung von Schmerzen im BWS-Bereich.

Behandlungsempfehlung

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In der Praxis hat es sich bewährt, das Tape von kaudal nach kranial zu applizieren, um eine Detonisierung zu erreichen. Durch den langen Verlauf des M. erector spinae ist es bei globalen Beschwerden der BWS sinnvoll, die gesamte Wirbelsäule paravertebral mit einem Tape zu versorgen.

Tapeapplikation:

  • Es werden 2 gleich lange, blaue I-Tapes (gemessen von der Crista iliaca bis zum 1. BWK) zugeschnitten.
  • Die Basis des 1. Tapes wird ohne Zug neben der Wirbelsäule in Höhe der Crista iliaca appliziert.
  • Die gesamte Wirbelsäule des Patienten wird in eine schmerzfreie Flexion gebracht.
  • Dann wird das Tape ohne Zug in Richtung des Os occipitale geklebt.
  • Das 2. Tape wird in derselben Weise auf der gegenüberliegenden Körperseite appliziert.
Muskelanlage (tonisierend)

Beschrieben wird die Anlage eines Tapes im Verlauf des M. obliquus internus abdominis, des M. obliquus externus abdominis, des M. transversus abdominis bzw. des M. rectus abdominis zur Behandlung von Schmerzen im BWS-Bereich. Diese Muskeln sind indirekt betroffen und werden tonisierend behandelt.

Da der M. obliquus externus abdominis und M. rectus abdominis in ihrem Verlauf abwärts gerichtet sind, erfolgt keine Applikation vom Ursprung zum Ansatz, obwohl es sich um eine tonisierende Applikation handelt. In der Praxis hat es sich bewährt, die Tapes vom Ansatz zum Ursprung zu kleben, um eine zusätzliche Stimulation des Muskels nach kranial zu erreichen.

Behandlungsempfehlung

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Die Tapes werden anhand des Befunds und der Bewegungseinschränkungen des Patienten appliziert. Nicht alle aufgeführten Tapes müssen dabei gleichzeitig zur Anwendung kommen.

Tapeapplikation:

M. obliquus internus abdominis:

  • Es werden 2 gleich lange, rote I-Tapes (gemessen von der Crista iliaca bis zum Xiphoid) zugeschnitten.
  • Die Basis des 1. Tapes wird ohne Zug auf der Crista iliaca appliziert.
  • Der Thorax des Patienten wird in Lateralflexion und Außenrotation gebracht.
  • Dann wird das 1. Tape mit halbem Zug (etwa 50%) in Richtung der oberen Linea alba auf Höhe des Xiphoids auf die Haut geklebt.
  • Das 2. Tape wird in derselben Weise auf der gegenüberliegenden Körperseite appliziert.

M. obliquus externus abdominis:

  • Es werden 2 gleich lange, rote I-Tapes (gemessen von der Rektusscheide bis zur 11. bzw. 12. Rippe) zugeschnitten.
  • Die Basis des 1. Tapes wird ohne Zug auf Höhe des vorderen Blattes der Rektusscheide appliziert.
  • Der Thorax des Patienten wird in eine Lateralflexion und Außenrotation gebracht, die Hüfte bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung.
  • Dann wird das 1. Tape mit halbem Zug (etwa 50%) in Richtung der 11. bzw. 12. Rippe auf die Haut geklebt.
  • Das 2. Tape wird in derselben Weise auf der gegenüberliegenden Körperseite appliziert.

 

Behandlungsempfehlung

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Statt des I-Tapes kann auch ein Fächertape mit insgesamt 4 Zügeln zugeschnitten werden. Hierbei wird der 1. Zügel in Richtung der 5. und 6. Rippe, der 2. Zügel in Richtung der 7. und 8. Rippe, der 3. Zügel in Richtung 9. und 10. Rippe und der letzte Zügel in Richtung 11. und 12. Rippe appliziert.

M. transversus abdominis:

  • Es werden 2 gleich lange, rote I-Tapes (gemessen von der 11. bzw. 12. Rippe bis zur Linea alba) zugeschnitten.
  • Die Basis des 1. Tapes wird ohne Zug auf Höhe der 11. bzw. 12. Rippe appliziert.
  • Der Thorax des Patienten wird in eine Außenrotation gebracht, die Hüfte bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung.
  • Dann wird das 1. Tape mit halbem Zug (etwa 50%) in Richtung der Linea alba auf die Haut geklebt.
  • Das 2. Tape wird in derselben Weise auf der gegenüberliegenden Körperseite appliziert.

M. rectus abdominis:

  • Es werden 2 gleich lange, rote I-Tapes (gemessen von der 5. bzw. 7. Rippe bis kurz vor das Schambein bzw. die Schambehaarung) zugeschnitten.
  • Die Basis des 1. Tapes wird ohne Zug auf Höhe des Schambeins appliziert.
  • Die Wirbelsäule des Patienten wird in eine Hyperextension gebracht. Der Patient wird aufgefordert, tief in den Bauch einzuatmen.
  • Dann wird das 1. Tape mit halbem Zug (etwa 50%) in Richtung der 5.–7. Rippe auf die Haut geklebt.
  • Das 2. Tape wird in derselben Weise auf der gegenüberliegenden Körperseite appliziert.
Ligamenttechnik

Ein Segment-Tape kann je nach Schmerzsymptomatik über Th1 bis Th12 appliziert werden. Hierbei sind die druckdolenten Punkte entscheidend.

Meridian-Taping

Muskeltechnik (detonisierend) mit Druckapplikation

Zur Behandlung von Schmerzen im BWS-Bereich ist die Anlage eines Tapes über der Blasen- (Extension), Magen- (Ventralflexion) und Gallenblasenleitbahn (Rotation) erforderlich. Die Durchführung der Tape- und Druckapplikation ist den angegebenen Kapiteln zum Meridian-Taping zu entnehmen.

Tapeapplikation:

Blasenleitbahn:

  • Bl29 (1,5 cun von der Mittellinie, 3. Foramen sacrale posterior) bis Bl11 (1,5 cun lateral der Mittellinie, unterhalb des Processus spinosus des 1. BWK)
  • Bl52 (1,5 cun neben Bl23) bis Bl41 (1,5 cun neben Bl12)
  • Tapefarbe Blau (Element Wasser)

Magenleitbahn:

  • Ma30 (2 cun lateral der Mittellinie, Oberkante der Symphyse) bis Ma18 (5. Interkostalraum)
  • Tapefarbe Gelb (Element Erde)

Gallenblasenleitbahn:

  • Gb28 (0,5 cun inferior und anterior von Gb27) bis Gb22 (5. Interkostalraum, Höhe der Brustwarze)
  • Tapefarbe Grün (Element Holz)

 

Behandlungsempfehlung

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Zusätzlich können Druckapplikationen und Meridian-Tapes auf dem Ren Mai und Du Mai appliziert werden.

Bei der Applikation könnte eventuell auch eine Tonisierung der gekoppelten Leitbahnen (Milz- und Leberleitbahn) erfolgen. Dabei kämen parallel zur sedierenden Technik auf der Blasen-, Magen- und Gallenblasenleitbahn tonisierende Meridian-Tapes für die Milz-, Leber- und Nierenleitbahn sowie für den Ren Mai zum Einsatz. Entsprechend würden die Punkte Mi13–Mi17, die Punkte Le13–Le14 und die Punkte Ni11–Ni22 sowie der Ren Mai (Ren3–Ren15) tonisiert.

Hinweis

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Hintergrund: Beim klassischen Taping werden die Muskeln des Abdomens tonisiert, um eine Balance zwischen der Rücken- und Bauchmuskulatur herzustellen. Da die Bauchmuskulatur tendenziell eher zu einer Absenkung neigt, kann es sich anbieten, dieses Vorgehen auch auf das Meridian-Taping zu übertragen.

Bei Schmerzen auf der Wirbelsäule wird der Du Mai mithilfe eines Du-Mai-Tapes versorgt.

Druckapplikation:

  • Silberkügelchen:
  • Ashi-Punkte
  • druckdolente Punkte auf dem Du Mai

Goldkügelchen:

  • druckdolente Punkte zwischen Ni11 und Ni22, Mi13 und Mi17
  • auf Le13 bzw. Le14
  • druckdolente Punkte zwischen Ren3 und Ren15

 

Die Tapeapplikation auf die betroffenen Leitbahnen erfolgt mithilfe der Muskeltechnik. Die Silberkügelchen werden auf druckdolente Punkte bzw. Ashi-Punkte aufgebracht.

Bei einer Blut-Stase können zusätzlich die Xi-Punkte der Blasen- (Bl63), der Magen- (Ma34) oder der Gallenblasenleitbahn (Gb36) mit einem Silberkügelchen sediert werden.

Hinweis

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Zusammenfassung aus ganzheitlicher Sicht

Bei Erkrankungen der BWS können unterschiedliche Symptome auftreten. Je nach Segment sind diese breit gefächert und betreffen unter Umständen die Lunge, das Herz, die inneren Organe unterhalb des Zwerchfells oder auch die Nieren und die Harnblase. Um Erkrankungen genauer zu diagnostizieren, hat sich die Durchführung des Kibler-Falten-Tests parallel zur Wirbelsäule bewährt. Hierbei wird auf Ödeme und Verquellungen, Verhärtungen, druckdolente Punkte und auf die Hauttemperatur geachtet.

Aus Sicht der TCM sind primär die Blasenleitbahn und der Du Mai betroffen. Auf Grundlage der Funktionskreise handelt es sich um eine Dysbalance im Funktionskreis Niere und Blase. Der Du Mai wird mit dem Mark und dem Gehirn assoziiert.

Entsprechend könnte eine Behandlung der BWS mit Beschwerden im Bereich von Th9 und Th10 mithilfe eines Leber-Organ-Tapes sowie eines Leber-Segment-Tapes erfolgen. Zusätzlich kann der Behandler den Du Mai öffnen sowie ein Goldkügelchen auf Le3 und Gb34 applizieren.